Lochstreifen Telegraph Bern

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Vom Feuerzeichen zur automatischen Telegrammübermittlung durch Computer
(Quelle: Hundert Jahre elektrisches Nachrichtenwesen in der Schweiz 1852 - 1952 und Museum für Kommunikation in Bern)
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ca. 1148 vor Chr. Optische Telegraphie (Feuerzeichen) melden das Ende der Belagerung Troias. Die erste Telegraphenlinie hatte bereits die respektable Länge von 555 Kilometern über das Ägäische Meer.
ca. 0 - 300 nach Chr. Aufbau von Feuerzeichen und Hochwachten in der Schweiz. Zuerst im Norden am Rhein zwischen Zurzach und Basel, später in der ganzen Schweiz verbreitet.
13. Jh. Einsatz von Hochwachtfeuern in der Geschichte der Freiheitskämpfe der Waldstätte.
15. Jh. Während der Burgunderkriege waren Hochwachten sowohl im Berner Seeland als auch im Aaretal bis nach Thun im Einsatz.
  Hochwacht von Erlach
Die Hochwacht von Erlach mit Blick auf die Petersinsel
17./18. Jh. Bern zählte zusammen mit seinen Untertanengebieten vom Genfersee bis an den Rhein 156 Hochwachten (auch Chutzen genannt). Mit diesem System war der Kanton Bern, bei optimalen Witterungsverhältnissen, in drei Stunden aufgeboten und in ca. fünf Stunden marschbereit.
Mit dem Untergang der alten Eidgenossenschaft ist auch das schweizerische Hochwachtennetz zusammengebrochen. Bereits um 1810 wurden im Kanton Bern die Hochwachten weitgehend liquidiert und das noch brauchbare Material verkauft.
1791 Claude Chappe erfindet in Frankreich den Balkentelegraphen.
  Chappesche Telegrafenstation
Die Abbildung zeigt eine Chappesche Telegrafenstation auf dem Dach des Louvre in Paris.
 

Die Bewegung der Maschine erforderte 4 Sekunden, die Einstellung blieb 16 Sekunden stehen. Somit konnte nach 20 Sekunden mit der Einstellung eines neuen Zeichens begonnen werden. Bei guten atmosphärischen Verhältnissen konnte auf der Linie Paris - Toulon im Durchschnitt mit einem ankommenden Zeichen pro Minute gerechnet werden (Distanz 1240 Km, 120 Telegraphenstationen).
Der Chappesche Telegraph wurde in der Schweiz nie eingeführt.

1793 Der Begriff Telegraph wird durch den französischen Gelehrten namens Miot kreiert.
1837 Morse lässt in den USA den elektrischen Telegraphenapparat patentieren.
27.5.1844 Zwischen Baltimore und Washington wird die 1. telegraphische Depesche auf elektrischem Weg übermittelt. Damit hat das Zeitalter der elektrischen Telegraphie begonnen.
1849 Erste elektromagnetisch betriebene Telegraphenlinie zwischen Berlin und Frankfurt wird eröffnet.
1850 Am 17.1.1850 macht der Regierungsrat des Kantons Bern in einem Schreiben an den Schweizerischen Bundesrat aufmerksam, dass neben der Eisenbahn auch Telegraphenlinien zu bauen seien.
1851 Bereits am 23.12.1851 beschliesst die Bundesversammlung, dass das Telegraphenwesen Bundessache sei und wo die ersten Telegraphenlinien gebaut werden sollen (z.B. Rheineck - St. Gallen - Frauenfeld - Winterthur - Zürich - Aarau - Bern - Lausanne ­ Genf).
1852 Die ersten Morseapparate werden in Stuttgart bei Carl Steiger, "Mecanicus und Opticus" zum Preis von Fr. 225.-- pro Stück gekauft.
30.6.1852 Der Bundesrat ernennt Johannes Wild zum ersten Direktor der Telegraphen und legt dessen Jahresgehalt auf Fr. 3600.-- fest.Dem Telegraphendirektor werden vier Telegrapheninspektoren unterstellt. Diese sind schweizweit für vier Inspektionskreise zuständig.
4.6.1852 Den 1. Lehrkurs für Obertelegraphisten haben 50 Teilnehmer mit Erfolg bestanden. Der Bundesrat wählt erstmals Obertelegraphisten und bezeichnet deren Dienstort.
  1. Telegraphisten
Die Besetzung der ersten Obertelegraphistenstellen (BBl 1852, ), S. 662)
  Einrichtung der 1. Telegraphenwerkstätte
  1. Telegraphenwerkstätte

  Eine alte Kaserne (Ecke Speichergasse/Waisenhausplatz) diente als Unterkunft für die Teilnehmer am ersten Kurs für Obertelegraphisten. In diesem Gebäude war auch die erste Telegraphenwerkstätte untergebracht.
1853 Der Sitz des II. Telegraphenkreises wird von Zofingen nach Bern verlegt.
1855 - 1864 Gustav Adolf Hasler wirkt als Adjunkt und Werkführer der Eidg. Telegraphenwerkstätte. Diese wird privatisiert und daraus enwickelt sich die Firma Hasler in Bern.
1869 David Edward Hughes, Erfinder des Typendruckapparates installiert in Bern, Genf, Basel und Zürich die ersten Hughes-Fernschreiber.
  Hughes-Saal Tg Zürich
Hughes-Saal im Haupttelegraphenamt Zürich, 1924
1921 Die Marconi Radio Station AG (später Radio-Schweiz) wird gegründet. In Münchenbuchsee wird der erste Sender in Betrieb genommen.
1932 Das internationale Einheitsalphabet wird in der Schweiz eingeführt und damit wird der Weg frei für elektrische Fernschreiber deren Tastatur derjenigen einer Schreibmaschine entsprechen.
  Lochstreifen-Code

Mit dem CCIT-Code ist auch die Geburt des Lochstreifens verknüpft.

Siemens Streifendrucker

1934 Start des Telexbetriebes in der Schweiz.
1947 Im Hinblick auf die olympischen Spiele in St. Moritz wird erstmals ein Bildtelegraph eingesetzt.
1946 Einführung des Bildtelegrammdienstes in der Schweiz
  Vor allem für Pressefotos stehen seit 1946 verschiedene Bildtelegrammverbindungen zur Verfügung. Zürich steht zunächst in Verbindung mit Brüssel, Paris und New York; Bern kommuniziert mit London und Stockholm.
  Bildübertragung Zürich Paris
Erste Bildübertragung zwischen Zürich und Paris, 1946
1971 Eröffnung der "Telecom 71" in Genf
  An der ersten Weltausstellung des Fernmeldewesens sind auf einer Fläche von 24'000 m2 250 Aussteller aus ca. 15 Ländern vertreten. Organisiert wird die Veranstaltung durch die UIT (Union Internationale des Télécommunications). Sie soll alle vier Jahre stattfinden.
  Telecom 71
Ausstellungshalle an der Telecom 71
  Die Telegraphisten sterben aus!
  Am 16. Februar 1852 erfolgte die allererste Ausschreibung, wonach ungefähr 40 Obertelegraphisten erforderlich seien. Am 4. Mai 1971 legte der letzte in der Schweiz ausgebildete Telegraphist seine Prüfung ab.
  Umzug Telegraph Bern
  Am 15. November 1971 zügelt der Telegraph Bern vom 2. Stock in die neuen Betriebsräume im 1. Stock des PTT-Gebäudes Bern/2/Bollwerk. Der letzte Standortwechsel geht auf das Jahr 1902 zurück: damals wurde der Telegraphendienst von der alten Kavalleriekaserne (heutiges Gebäude der GD SBB) in das neuerstellte Bollwerk verlegt.
  Einführung von ATECO in der Schweiz
  ATECO (automatische Telegrammvermittlung mit Computern) ist eines der modernsten Telegrammvermittlungsverfahren der Welt, das täglich 13'000 bis 15'000 Telegramme bewältigt. Die arbeitsaufwendigen Routinevorgänge wie Empfang, Taxierung, Speicherung und Weiterleitung der Informationen sowie die Rechnungsstellung werden digital verarbeitet.
  ATECO Zürich
ATECO-Zentrum in Zürich, 1968
1972 Neues TT-Lokal im Bahnhof Bern
  Eröffnung der neuen TT-Dienststelle am 18. Dezember 1972 im Ost-Flügel des Aufnahmegebäudes, direkt gegenüber der "Brasserie" anstelle des alten Schalters Bahnhof im ehrwürdigen "Stöckli" gegenüber der Heiliggeistkirche. Das neue TT-Lokal weist 4 Bedienungsplätze, 26 Telephonkabinen, eine Grossraumkabine für Invalide, die zudem alle notwendigen Einrichtungen für Bildübertragungen aufweist.
1973 "Automobil-Telegraphenbüro" für die PTT
  Das Fahrzeug, seit Anfang Mai 1973 im Einsatz, ist mit Telegraphen-, Telex-, Telefon- und Bildübermittlungsgeräten ausgestattet. Es wird bei Sportveranstaltungen eingesetzt und dient in Katastrophenfällen als Notzentrale.
  Das Telex-Automobil
Das Telex-Automobil
  Neue Schreibweise für Telephon, Telegraph, Bureau
  "Auf Beschluss der Generaldirektion übernehmen die PTT-Betriebe für die deutsche Schreibweise der Wörter Telephon, Telegraph, Bureau und deren Ableitungen offiziell die neuzeitliche Schreibung Telefon, Telegraf, Büro. Demzufolge ist von nun an beispielsweise zu schreiben: Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe, Kreistelefondirektion, Telefonistin, Telegrafistin, Bürochef, Postbüro (des Büros, die Büros). Im laufenden amtlichen Schriftverkehr ist die neue Deutschschreibung sofort einzuführen. In den übrigen Bereichen ist die Aenderung schrittweise zu verwirklichen, um die Anpassungskosten möglichst tief zu halten."
  Automatische Stadtrohrpost
  Die Idee, Schriftstücke mit Hilfe von rohrförmigen Behältern, Rohren und Druck- oder Saugluft von Büro zu Büro oder von Haus zu Haus zu befördern, stammt aus England, wo 1853 die erste Rohrpost in Betrieb genommen wurde. Die Berner Stadtrohrpost stammt aus dem Jahre 1928. Im Jahre 1973 wird die alte Anlage durch eine vollautomatische Stadtrohrpost ersetzt an die 7 Banken, die Postämter Bollwerk, Bundeshaus und Kornhaus, die TT-Schalter Bollwerk und Bahnhof, das Telegrafenamt sowie über die Zentrale Schanzenpost - neben Postcheckamt und andern PTT-Dienststellen - die Schweizerische Depeschenagentur angeschlossen sind.
1976 Versuchsweise Einführung des Telefax
  Die neue Dienstleistung der PTT ermöglicht es, in sechs öffentlichen Telegrafenämtern (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich) Papiervorlagen über das Fernmeldenetz zu übertragen. Für eine A4-Seite benötigt das Gerät sechs Minuten. Die Grundgebühr beträgt 7 Fr., und für eine allfällige Zustellung durch Eilboten sind zusätzlich 3 Fr. zu bezahlen.
  Fac-similé
System Fac-similé, 1977
1977 125 Jahre Telegraf in der Schweiz
  Der älteste Zweig des Fernmeldewesens, der Telegraf, kann im Jahre 1977 den 125. Jahrestag seines Bestehens in der Schweiz feiern. Die PTT-Betriebe würdigen dieses Jubiläum des Telegrafen mit einer Sonderschau im PTT-Museum. Diese zeigt die von Wagemut und Problemen geprägten Anfänge des Telegrafen in der Schweiz und dessen Weiterentwicklung bis zur elektronischen Telegramm- und Datenvermittlung.
1979 Pilotversuch mit Videotex
  Am Pilotversuch beteiligen sich neben der PTT auch die Fernmeldeindustrie und Informationslieferanten. Videotex (in Deutschland Bildschirmtext) ist ein interaktives Daten- und Textübertragungssystem. Die Benutzung erfordert einen speziellen Fernsehempfänger mit eingebautem Decoder sowie ein Modem an einem Telefon. Das Datenangebot ist zunächst auf das eigene Datenbank-System beschränkt.
  Videotexstation
Videotexstation
1980 Erstes Faxgerät auf dem Schweizer Markt
  Das Faxgerät wird von der PTT für 30'000 Fr. angeboten. Es benötigt für die Übermittlung einer A4-Seite drei Minuten. 1980 werden insgesamt 352 Geräte verkauft; 1990 gehört der Fax zur Standardausrüstung der Bürowelt.
  Der neue Fernschreiber Hasler SP 300
  Ab Juni 1980 gelangen bei den Telexabonnenten die neuen Fernschreiber vom Typ Hasler SP 300 zum Einsatz. In diesem Apparat wurden die neusten Technologien, wie Mikroprozessoren und Mosaikdruckwerk (bei Bedarf mit kyrillischer oder arabischer Schrift), verwendet. Der neue Telex ist deshalb wartungsfreundlich und geräuscharm.
1981 Teletext-Versuchsbetrieb
  Teletext (identisch mit Videotext in Deutschland) ist ein Einwegkommunikationssystem, bei dem mittels Decoder über den Fernsehbildschirm Informationen abgefragt werden können. SRG, PTT und der schweizerische Verband der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger tragen den Versuchsbetrieb. Der reguläre Betrieb in der Deutschschweiz wird 1984 aufgenommen. Die französisch- und italienischsprachigen Dienste folgen 1985 bzw. 1986.
  Teletext
Teletext
  Inbetriebnahme des Telepac-Pilotnetzes
  Bei Telepac werden in einer Vermittlungsstelle die Daten eines Absenders in "Pakete" aufgeteilt, gelangen schubweise über besondere Leitungen (mit bis zu 48 kBit/s) zur Vermittlungsstelle des Empfängers, wo sie wieder zu einem Ganzen zusammengefügt und an den Empfänger weitergeleitet werden. Das Pilotnetz umfasst Vermittlungszentralen in Zürich, Bern und Genf.
  Telepac
Telepac-Zentrale Bern, 1981
1982 Internet wird zum Begriff
  Damit die verschiedensten Computer untereinander über ein Netzwerk kommunizieren können, wird ein gemeinsamer Standard festgelegt, das TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol). Internet definiert sich fortan als Netzwerk aus Zellen, die alle TCP/IP verwenden.
1983 Aufnahme des regulären Telepac-Dienstes im Juni 1983 in der Schweiz
  Das Datenvermittlungssystem der PTT kann über das Telefon-Netz angesteuert werden und erlaubt eine Datenübertragung mit hoher Geschwindigkeit (bis zu 48 kBit/s). Bereits 1985 sind die ca. 3'000 Teilnehmer mit 43 Ländern der Welt verbunden. 1986 erfolgt der Ausbau von neun auf dreizehn Zentralen. Die Gebühren werden aufgrund von Volumen, Länge und Distanz der Übermittlung berechnet.
  Telepac-Zentrale
Telepac-Zentrale in Bern, 1982
1984 Erste Betriebsversuche mit Videotex
  Gestartet wird das interaktive Informationssystem mit vorerst einer Zentrale in Bern. Im Gegensatz zu den Testversuchen (ab 1979) sind auch echte Teilnehmer angeschlossen. Der Zugriff auf andere Datenbank-Systeme ist möglich. Eine zweite Zentrale eröffnet anfangs 1985 in Zürich; über 3'000 Teilnehmer nutzen das System.
  Videotex zu Hause
Videotex zu Hause
  Die Zukunft des Telex - eine Fehleinschätzung mit Folgen
  "Allen Unkenrufen zum Trotz wird der Telex noch lange Zeit eines der attraktivsten Fernmeldemittel bleiben" liest man 1984 in einer Informationsbroschüre der PTT. Weil die Zahl der Telexanschlüsse mit dem Aufkommen der Faxgeräte jedoch rapide absinkt, müssen die PTT fünf Jahre später eine Grossbestellung von 3'500 Telexgeräten wieder annullieren. Zu spät: 450 Geräte sind aber schon produziert; für die PTT ein Verlust in Millionenhöhe.
  Pro Telecom wirbt für den Telex
Noch 1983 wirbt die Pro Telecom für den Telex
1987 Eröffnung des öffentlichen Videotex-Betriebs
  Ende des ersten Betriebsjahres umfasst das System 7'635 Teilnehmer und über 300 Informationsanbieter. Unter anderem trägt die Einrichtung massgeblich zur Entlastung des Auskunftsdienstes bei. Die angestrebte Teilnehmerzahl von 100-200'000 in drei bis sechs Jahren kann jedoch nicht erreicht werden; 1992 sind es erst 90'247.
  Videotex
Videotex
1988 Erneuerung der Ausrüstungen für die telefonische Telegrammaufgabe
  Bei der telefonischen Telegrammaufgabe werden die aus dem Jahre 1977 stammenden Ausrüstungen ersetzt. Die neue Anlage ist mit einem komplexen Textverarbeitungssystem mit Kommunikationsteil vergleichbar. Diese neuen Ausrüstungen sind zugleich der erste Schritt zur Ablösung des Ateco-Systems, das 1971 in Betrieb kam.
1991 Telegrammvermittlungssystem Corona
  Das erste prozessorgesteuerte Telegrammvermittlungssystem Ateco der Schweizerischen PTT-Betriebe wurde 1971 in Betrieb genommen. Nach mehr als 20 Jahren mussten diese Anlagen ersetzt werden. Das neue Telegrammvermittlungssystem Corona beruht auf einem leistungsfähigen Rechnerverbund und auf Kleinrechnern bei den Telegrafenämtern mit telefonischer Telegrammaufgabe. Diese Rechner kommunizieren über das Paketvermittlungsnetz Telepac. Die kleineren Telegrafenämter, die rund 500 mit Fernschreibern ausgerüsteten Poststellen und etwa 20 europäische Länder verkehren über das Gentex-Telexnetz mit Corona.
  corona
1994 Das Ende einer Aera
  Die Telefondirektion Bern wird beauftragt, den Personalbestand des Telegrafendienstes Bern von ca. 77 Personen auf den 31. Dezember 1994 abzubauen und das betroffene Personal in andere Dienste zu transferieren!